Affinity für Linux offiziell in Entwicklung, allerdings noch ohne Termin

Screenshot des Canva UI

Canva arbeitet an einer Linux-Version von Affinity. Das hat der offizielle Affinity-Account auf X am 3. November 2026 bestätigt, und zwar in Antworten auf Nutzer°Innen, die unter einem Post zur neuen iPad-App das Fehlen einer Linux-Version bemängelt hatten. Die Linux-Version befinde sich in aktiver Entwicklung, einen Veröffentlichungstermin gebe es aber noch nicht. Darüber berichteten am selben Tag unter anderem XDA Developers und das niederländische Linux Magazine. Öffentliche Testversionen gibt es bislang nicht.

Screenshot Twitter Post der Linux Version ankündigt

Bestätigung im Schatten des iPad-Starts

Anlass war der Start der iPad-App. Einen Tag zuvor, am 2. November, hatte Canva Affinity für das iPad veröffentlicht. Die App setzt iPadOS 18 voraus, ist für Privatpersonen kostenlos, verlangt aber ein Canva-Konto. Kostenpflichtig sind wie auf dem Desktop nur die KI-Funktionen, die ein Canva-Premium-Abo erfordern. Laut Canva haben sich für die 2025 neu aufgelegte Desktop-Version für Windows und macOS mehr als sieben Millionen Nutzer°Innen angemeldet.

Zur Erinnerung: Canva hatte Affinity 2024 mitsamt dem britischen Entwickler Serif gekauft und im Oktober 2025 die Version 3 veröffentlicht, in der Designer, Photo und Publisher zu einer einzigen, kostenlosen App zusammengefasst sind. Ich hatte mich im Februar in einem Artikel ausführlich mit diesem Geschenk und seinen Haken beschäftigt.

Linux-Pläne seit einem Jahr im Gespräch

Ganz überraschend kommt die Ankündigung nicht. Bereits im November 2025 hatte Liam Fisher, bei Canva globaler Marketingverantwortlicher für Affinity, gegenüber dem südafrikanischen Portal TechCentral erklärt, eine Linux-Portierung werde intern ernsthaft diskutiert und gehöre zu den meistgewünschten Funktionen der Anwender°Innen. Eine Entscheidung gab es damals noch nicht. Laut TechCentral arbeitete das Team zu diesem Zeitpunkt an der iPad-Version und hätte sich danach Linux zuwenden können. Genau diese Reihenfolge hat sich nun bestätigt: Erst kam das iPad, jetzt folgt die Bestätigung für Linux.

Bisherige Umwege über Wine

Wer Affinity unter Linux nutzen wollte, war bislang auf Community-Lösungen angewiesen, die die Windows-Version über die Kompatibilitätsschicht Wine lauffähig machen. XDA Developers hat das im November 2025 getestet: Mit einer speziell für Affinity angepassten Wine-Variante lief die Software überraschend ordentlich, allerdings mussten unter Arch Linux Pakete von Hand nachinstalliert und die Bildschirmskalierung angepasst werden. Ein inoffizielles AppImage, das OMG! Ubuntu im Januar 2026 ausprobiert hat, vereinfacht die Installation, hat aber eigene Einschränkungen: Die Anmeldung am Canva-Konto funktioniert dort nicht, Ansichten auf Basis von WebView2 werden fehlerhaft dargestellt, und mangels OpenCL-Unterstützung laufen rechenintensive Filter auf der CPU.

Wie Canva die Linux-Version technisch umsetzt, ist nicht bekannt. Weder die Antwort auf X noch die Berichte von XDA Developers und Linux Magazine enthalten Angaben dazu, ob es sich um eine native Anwendung oder um eine Lösung auf Basis einer Kompatibilitätsschicht handeln wird. Linux Magazine verbindet mit einer nativen Installation die Erwartung stabilerer Leistung und besserer Hardwarebeschleunigung, das ist allerdings eine Einschätzung der Redaktion und keine Aussage von Canva.

Proprietäre Software bleibt proprietär

Für alle, die Windows den Rücken kehren wollen, aber ihre gewohnten Werkzeuge nicht aufgeben möchten, ist die Ankündigung eine gute Nachricht. Linux Magazine nennt das Fehlen etablierter Grafikprogramme zu Recht einen der Hauptgründe, warum viele Anwender°Innen nicht vollständig auf Linux umsteigen.

Man sollte sich trotzdem nichts vormachen: Durch eine Linux-Version wird Affinity nicht zu freier Software. An den Punkten, die ich im Februar kritisiert habe, ändert sich nichts. Man braucht einen Canva-Account, die Software bleibt proprietär, das native .af-Format der Version 3 lässt sich mit älteren Affinity-Versionen nicht öffnen, und Canva kann die Lizenzbedingungen jederzeit ändern. Free forever ist und bleibt Marketing, kein Rechtsanspruch. Für Linux-Nutzer°Innen, die sich bewusst für ein offenes System entschieden haben, ist das kein Detail am Rande. Auch Simon Batt von XDA Developers weist darauf hin, dass die Closed-Source-Natur von Affinity manche abschrecken dürfte.

Krita, GIMP und Inkscape verschwinden nicht, nur weil Affinity irgendwann unter Linux läuft, und das ist gut so. Wer langfristige Projekte plant und Wert auf Kontrolle über die eigenen Daten und Formate legt, ist mit offenen Programmen und offenen Standards weiterhin besser aufgestellt. Wer dagegen schlicht ein leistungsfähiges, kostenloses Grafikprogramm unter Linux nutzen möchte und mit den Bedingungen von Canva leben kann, bekommt demnächst eine Option mehr. Wann genau, weiß derzeit allerdings niemand außerhalb von Canva.

Dass Canva die Linux-Gemeinde ernst nimmt, ist ein gutes Zeichen. Ob am Ende eine vollwertige Linux-Umsetzung herauskommt oder ein Wine-Paket mit Canva-Logo, wird man erst beurteilen können, wenn die Software tatsächlich erscheint.

Quellen

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