Super Productivity: Aufgaben, Zeiterfassung und Fokus in einer Open-Source-App

Screenshot Webseite Super Productivity

Aufgaben hier, Timer dort, Github-Issues anderswo – und am Ende des Tages hat man mit vielen Aufgaben- und todo-Werkzeugen hantiert, aber es bleibt das Gefühl, dass das alles zu aufgeblasen und verzettelt ist. Super Productivity will genau das ändern – und zwar ohne Abo, ohne Cloud-Zwang und ohne dass die eigenen Daten das Gerät verlassen müssen.

Was ist Super Productivity?

Super Productivity ist eine kostenlose, quelloffene Task-Management-Anwendung, die darauf ausgelegt ist, Aufgaben zu organisieren und konzentriertes, ungestörtes Arbeiten zu unterstützen. Sie läuft nativ auf Windows, macOS und Linux, es gibt die Anwendung als Web-App und sie ist zudem für Android und iOS verfügbar. Das Projekt wird von Johannes Millan entwickelt und auf GitHub gehostet – transparent, hackbar und von einer aktiven Community mitgetragen.

Der Ansatz unterscheidet sich von klassischen To-Do-Apps: Statt reiner Aufgabenlisten kombiniert Super Productivity Aufgabenverwaltung, Zeiterfassung, Notizen und Fokus-Tools in einer einzigen Oberfläche. Das Ziel ist nicht, möglichst viele Aufgaben zu verwalten, sondern die richtigen und wichtigen Aufgaben tatsächlich zu erledigen.

Die wichtigsten Features im Überblick

Aufgabenverwaltung ohne Schnickschnack

Das Anlegen von Aufgaben geht schnell: Quick-Add per Tastenkürzel, Unteraufgaben, Notizen, Fälligkeitsdaten und Tags. Wer möchte, organisiert seine Aufgaben in Projekten und Ordnern, filtert nach Tags oder wechselt zwischen verschiedenen Board-Layouts – Kanban, Eisenhower-Matrix oder kompakte Listen sind alle mit an Bord. Wiederkehrende Aufgaben lassen sich mit granularen Zeitplänen und automatischem Rollover einrichten, was besonders für regelmäßige Routinen praktisch ist.

Zeiterfassung auf Knopfdruck

Eines der stärksten Features ist die integrierte Zeiterfassung. Per Klick oder Tastenkürzel startet und stoppt man den Timer für die aktuelle Aufgabe – ohne separate App, ohne Kontextwechsel. Am Ende des Tages oder der Woche lassen sich Timesheets und Arbeitsberichte exportieren, was besonders für Freiberufler und Consultants interessant ist, die Stunden für Kunden nachweisen müssen.

Pomodoro und Fokus-Modus

Wer nach der Pomodoro-Technik arbeitet, findet in Super Productivity einen vollwertigen Timer direkt integriert. Der Fokus-Modus blendet alles aus, was nicht zur aktuellen Aufgabe gehört – keine Ablenkungen, kein Überblick über andere Projekte, nur die Aufgabe, an der man gerade sitzt. Pausen-Erinnerungen lassen sich flexibel konfigurieren, ohne den Arbeitsfluss zu unterbrechen.

GitHub, GitLab und Jira – direkt integriert

Für Entwickler besonders relevant: Super Productivity kann Issues direkt aus GitHub, GitLab und Jira importieren und synchronisieren. Wer also seinen Sprint-Backlog in Jira pflegt, kann die Issues in Super Productivity als Aufgaben weiterbearbeiten, Zeit erfassen und Notizen hinzufügen – ohne ständig zwischen Tools wechseln zu müssen. Auch CalDAV-Kalender lassen sich einbinden, sodass Termine und Aufgaben in einer Ansicht zusammenlaufen.

Procrastination Helper

Ein ungewöhnliches, aber durchdachtes Feature: Ein eingebauter Helfer gegen Prokrastination, der auf Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie (CBT) zurückgreift. Wer bei einer bestimmten Aufgabe feststeckt oder sie immer wieder vor sich herschiebt, bekommt gezielte Unterstützung, um den ersten Schritt zu wagen. Das klingt zunächst nach Spielerei, kann aber gerade für Menschen mit ADHS oder ausgeprägter Aufschieberitis einen echten Unterschied machen.

Plugin-System und Tastatur-First-Design

Power-User, die am liebsten mit Tatstaturkürzeln arbeiten, kommen auf ihre Kosten: Super Productivity ist von Grund auf auf Tastatursteuerung ausgelegt. Nahezu alle Funktionen sind per Shortcut erreichbar. Wer darüber hinaus eigene Workflows automatisieren möchte, kann das über ein Plugin-System tun. Die Anwendung ist damit nicht nur ein Werkzeug, sondern eine Plattform, die sich an die eigene Arbeitsweise anpassen lässt.

Datenschutz und Offline-First

Ein wesentliches Argument für Super Productivity ist das Datenschutz-Konzept: Standardmäßig bleiben alle Daten lokal auf dem eigenen Gerät. Es gibt weder ein Pflicht-Konto noch Telemetrie oder Werbung. Wer geräteübergreifend synchronisieren möchte, kann das über WebDAV oder Dropbox tun – auf eigene Verantwortung und mit selbst gewähltem Dienst.

Das unterscheidet Super Productivity grundlegend von Cloud-nativen Alternativen wie Todoist oder TickTick, bei denen die Daten auf fremden Servern liegen und die Nutzung an ein Abo geknüpft ist. Wer vollständige Kontrolle über seine Produktivitätsdaten haben möchte, ist hier klar im Vorteil.

Darüber hinaus lassen sich alle Daten jederzeit im JSON- oder CSV-Format exportieren. Kein Vendor Lock-in, keine Abhängigkeit vom Wohlwollen eines Anbieters.

Für wen ist Super Productivity geeignet?

Die Anwendung richtet sich an alle, die mehr wollen als eine einfache To-Do-Liste, aber keine überkomplexe Projektmanagement-Suite benötigen. Besonders interessant ist sie für:

  • Entwickler, die GitHub- oder Jira-Issues direkt in ihren Arbeitsablauf integrieren möchten
  • Freiberufler und Consultants, die Arbeitszeiten präzise erfassen und dokumentieren müssen
  • Menschen mit ADHS oder Konzentrationsschwierigkeiten, die von den Fokus-Tools und dem Procrastination Helper profitieren
  • Privacy-Enthusiasten, die keine Lust auf Cloud-Abhängigkeiten haben
  • Power-User, die ihr Produktivitätssystem selbst gestalten und erweitern wollen

Installation

Super Productivity ist als Desktop-Anwendung für Windows, macOS und Linux über die offizielle Website verfügbar. Wer lieber über Paketmanager installiert, findet Super Productivity auch auf Flathub, als Snap und im AUR. Android- und iOS-Apps sind ebenfalls vorhanden.

Wer nichts installieren möchte, kann die Anwendung als Progressive Web App (PWA) direkt im Browser nutzen. Die Web-App unter app.super-productivity.com lässt sich über die Installationsfunktion des Browsers – in Chrome oder Edge erscheint dafür ein kleines Symbol in der Adressleiste – als eigenständige App auf dem Desktop oder dem Startbildschirm einrichten. Sie verhält sich dann wie eine normale Anwendung: eigenes Fenster, eigenes App-Symbol, kein Browser-Interface drumherum. Besonders praktisch: Die PWA funktioniert auch offline, da die Daten lokal im Browser gespeichert bleiben. Für alle, die die Anwendung auf mehreren Geräten ohne native Installation nutzen wollen, ist das die schnellste Möglichkeit, loszulegen.

Fazit

Super Productivity ist kein weiterer Task-Manager, der mit bunten Oberflächen und Feature-Listen Aufmerksamkeit erregt. Es ist ein durchdachtes Werkzeug, das auf einen klaren Zweck ausgerichtet ist: echte, tiefe Arbeit zu ermöglichen – ohne Ablenkungen, dabei datenschutzfreundlich ohne Cloud-Pflicht und ohne Abo-Modell.

Wer bisher mit einer Kombination aus To-Do-App, separatem Timer und Zeiterfassungstool jongliert, sollte Super Productivity ernsthaft in Betracht ziehen. Die Lernkurve ist flach, der Funktionsumfang beeindruckend und die vollständige Datenkontrolle ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Links:

Offizielle Website: super-productivity.com
Web-App: app.super-productivity.com
GitHub: github.com/johannesjo/super-productivity
Download: super-productivity.com/download

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen