Pikimov – Die datenschutzfreundliche CapCut-Alternative, die im Browser läuft

Screenshot Pikimov-UI

Videobearbeitung und Motion Design im Browser, ohne Installation, ohne Anmeldung, ohne teures Abonnement, ohne dass die eigenen Dateien auf irgendwelchen Cloudservern landen – das klingt zu schön, um wahr zu sein. Pikimov will genau das bieten: Ein vollwertiges Motion Design- und Videobearbeitungsprogramm, das komplett im Browser läuft und dabei auch noch kostenlos ist.

Die Software präsentiert sich selbstbewusst als Alternative zu CapCut und After Effects. Gerade CapCut ist aus Datenschutzsicht hochproblematisch – der ByteDance-Dienst lädt alle Videos auf chinesische Server hoch und trainiert damit die firmeneigene KI. Pikimov geht einen anderen Weg: Alles bleibt lokal, nichts wird hochgeladen. Ein Projekt, das im Prinzip von einer Einzelperson entwickelt wird, zeigt dabei, was mit modernen Web-Technologien möglich ist – ohne die Datensammelei der großen Tech-Konzerne.

Drei Editoren in einem

Pikimov vereint drei verschiedene Editoren unter einer Oberfläche: einen klassischen Video-Editor, einen 2D-Motion-Design-Editor und einen 3D-Motion-Design-Editor. Das klingt zunächst ambitioniert, ist aber durchaus durchdacht. Der klassische Editor eignet sich für simplen Videoschnitt mit Übergängen, der 2D-Editor für Animation und Compositing à la After Effects, und der 3D-Editor ermöglicht das Einbinden von 3D-Modellen im GLB-Format.

Die Keyframe-Animation funktioniert ähnlich wie in After Effects – wer dort schon gearbeitet hat, findet sich schnell zurecht. Es stehen Farbkorrektur, Blur-Effekte, Glitch-Effekte und Green-Screen-Maskierung zur Verfügung. Als Deformationen gibt es Verbiegen, Skew und  Freies Deformieren. Das Rotoscoping kann manuell oder automatisch erfolgen, und es gibt sogar einen Algorithmus zum Entfernen von Hintergründen sowie einen Generator für Untertitel.

Die technische Seite

Die Software läuft vollständig im Browser – Chrome oder Edge werden empfohlen. Das bedeutet: keine Installation nötig, funktioniert unter Windows, macOS, Linux und sogar auf Chromebooks. Die gesamte Bearbeitung findet lokal statt, die Dateien werden nicht auf einen Server hochgeladen. Das ist nicht nur praktisch, sondern auch ein echter Vorteil in Sachen Datenschutz – und KI-Modelle werden so ebenfalls nicht trainiert.

Entwickelt wurde Pikimov mit den Javascript-Technologien Ember.js und Three.js. Die Software unterstützt Auflösungen bis 4K, was für die meisten Anwendungsfälle ausreichen dürfte. Interessant ist auch, dass Pikimov die JavaScript-Expressions-Syntax von After Effects verwendet – wer dort mit Expressions arbeitet, kann diese Kenntnisse hier direkt einsetzen.

Was heißt hier „kostenlos“?

Pikimov ist tatsächlich kostenlos, ohne Paywall, ohne versteckte Kosten. Das Projekt wird über Patreon finanziert, wer mag kann den Entwickler dort unterstützen. Es gibt keine Einschränkungen in der kostenlosen Version, keine künstliche Limitierung auf niedrige Auflösungen oder Wasserzeichen. Das ist bemerkenswert, wenn man sieht, wie andere „kostenlose“ Video-Tools funktionieren – meist mit massiven Einschränkungen, die einen dann doch zum Abo nötigen sollen.

Der Entwickler, der unter dem Namen Pikilipita firmiert, macht keinen Hehl daraus, dass das Projekt von Photopea inspiriert wurde. Photopea ist eine ähnlich erfolgreiche Browser-basierte Bildbearbeitung, die sich als Alternative zu Photoshop etabliert hat. Die Strategie dahinter: kostenlos anbieten, über Werbung und Patreon finanzieren, keine Barrieren aufbauen.

Das CapCut-Problem und warum Datenschutz wichtig ist

CapCut ist vermutlich das populärste kostenlose Video-Tool für Social Media Content. Kein Wunder – es ist einfach zu bedienen, hat viele Effekte und ist kostenlos. Das Problem: CapCut gehört zu ByteDance, dem gleichen chinesischen Konzern, der auch TikTok betreibt. Alle Videos werden auf Server hochgeladen, die Datenverarbeitung erfolgt in der Cloud, und was genau mit den Inhalten passiert, bleibt weitgehend im Dunkeln. Außerdem wird für Premium-Übergänge und -Effekte schnell ein Abo fällig – und wie Nutzer!Innen berichten, ist es offenbar nicht ganz einfach, das wieder loszuwerden.

Für Content Creator°Innen, die einfach nur Videos schneiden wollen, mag das vielleicht noch egal sein. Wer aber beruflich Videos erstellt, möglicherweise vertrauliche Inhalte bearbeitet oder einfach Wert auf Privatsphäre legt, sollte sich überlegen, ob er wirklich alle seine Videos einem chinesischen Tech-Konzern anvertrauen möchte. Die DSGVO-Konformität ist bei solchen Diensten mindestens fragwürdig.

Pikimov geht einen grundlegend anderen Weg: Alle Dateien bleiben lokal auf dem eigenen Rechner, es werden keine Videos hochgeladen, keine Projekte auf fremde Server übertragen. Der Browser übernimmt die komplette Rechenarbeit. Und der Entwickler betont explizit, dass die Projekte nicht für AI-Trainings verwendet werden – ein Punkt, der angesichts der aktuellen Entwicklungen durchaus relevant ist. Das ist digitale Souveränität, wie sie sein sollte.

Alternative zu After Effects und CapCut?

Bei After Effects und CapCut handelt es sich um völlig unterschiedliche Problemstellungen. After Effects ist ein professionelles Tool mit jahrzehntelanger Entwicklung, arbeitet lokal und ist datenschutztechnisch eher unbedenklich – kostet aber mehrere hundert Euro im Jahr als Abo. CapCut ist kostenlos und vergleichweise einfach zu bedienen, lädt aber alle Daten auf ByteDance-Server hoch.

Pikimov bietet eine dritte Option: kostenlos wie CapCut, aber datenschutzfreundlich wie After Effects. Funktional liegt es irgendwo dazwischen. Für typische Social-Media-Content-Erstellung, einfachere Motion Graphics und Videobearbeitung reicht Pikimov durchaus aus. Wer keine hochkomplexen Compositing-Arbeiten macht und kein 3D-Tracking braucht, findet hier eine interessante Alternative.

Der Vorteil gegenüber After Effects: Man braucht kein teures Creative Cloud-Abo und muss nicht erst gigabyte-weise Software installieren. Der Vorteil gegenüber CapCut: Die eigenen Videos bleiben auf dem eigenen Rechner und landen nicht auf chinesischen Servern. Browser auf, Seite laden, loslegen.

Performance und Grenzen

Natürlich gibt es Grenzen. Die Performance hängt stark vom verwendeten Browser und der Hardware ab. Wer große 4K-Videos bearbeiten will, braucht entsprechend leistungsfähige Hardware – das ist bei After Effects allerdings nicht anders. Chrome und Edge nutzen die Hardware-Beschleunigung effizienter als andere Browser, Firefox wird laut Dokumentation nicht empfohlen.

Die Software ist noch relativ jung, Bugs sind nicht ausgeschlossen. Die Entwicklung ist aktiv, auf Discord gibt es eine Community, auf YouTube Tutorials. Wer erwartet, dass alles so reibungslos läuft wie bei kommerzieller Software mit großem Support-Team, wird möglicherweise enttäuscht. Wer aber bereit ist, sich einzuarbeiten und gelegentliche Probleme in Kauf zu nehmen, erhält im Gegenzug ein beeindruckend mächtiges – und eben kostenloses – Tool.

Persönliche Einschätzung

Ich habe Pikimov ausprobiert und war überrascht, wie gut das funktioniert. Die Benutzeroberfläche ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, aber wer schon mit Videoschnittprogrammen gearbeitet hat, findet sich schnell zurecht. Das Keyframe-System funktioniert intuitiv, die Render-Geschwindigkeit ist für einen Browser-Editor durchaus respektabel.

Besonders praktisch finde ich, dass man keine Projekt-Dateien synchronisieren oder verwalten muss – einfach im Browser öffnen und weitermachen.

Äußerst problematisch ist allerdings, dass man nahezu keine Audiobearbeitung durchführen kann, weder ein- und ausblenden, nooch Lautstärkeanpassungen. Das schränkt die Möglichkeiten doch erheblich ein, solange man ein Video nicht einfach mit einer Hintergrundmusik unterlegen möchte. Ich würde allerdings davon ausgehen, dass diese Funktionen zügig folgen werden – der Lautstärkeregler ist bereits vorhanden, hat aber noch keine Funktion.

Für schnelle Social-Media-Posts, einfache Animationen oder Präsentationsvideos ist das mehr als ausreichend. Wer komplexere Projekte plant, sollte trotzdem auf native Software setzen – aber für 80% der alltäglichen Aufgaben und insbesondere für schnelle Social Media-Videos reicht Pikimov locker aus, zumindest solange man keine Audiofunktionen benötigt.

Für wen ist Pikimov geeignet?

Die Software richtet sich an verschiedene Zielgruppen: Content Creator°Innen, die schnell Videos für Social Media produzieren wollen. Student°Innen, die sich keine teuren Lizenzen leisten können. Gelegenheitsnutzer°Innen, die keine professionelle Software brauchen. Und alle, die Wert auf Datenschutz legen und ihre Videos nicht in irgendwelchen Clouds oder KI-Modellen haben wollen.

Auch für den Einstieg in Motion Design ist Pikimov interessant – die Lernkurve ist weniger steil als bei After Effects, die Dokumentation ist ordentlich, und da es kostenlos ist, kann man einfach und ohne Risiko ausprobieren.

Das Thema KI

Pikimov wirbt damit, nicht mit KI-Features vollgestopft zu sein. Das ist inzwischen fast schon ein Alleinstellungsmerkmal, wenn man sich ansieht, wie viele Video-Tools aktuell mit KI-Funktionen um sich werfen – ob die nun wirklich nützlich sind oder hauptsächlich Marketing-Blabla. Die Hintergrundentfernung und der Untertitelgenerator nutzen vermutlich maschinelles Lernen, aber das läuft lokal im Browser und die Projekte werden nicht für Training verwendet.

Diese Zurückhaltung ist sympathisch. Nicht jedes Tool muss KI-unterstützt sein, manchmal sind bewährte Workflow-Techniken völlig ausreichend.

Fazit

Pikimov ist eine beeindruckende Demonstration dessen, was moderne Web-Technologie leisten kann. Die Software ist kostenlos, respektiert die Privatsphäre der Nutzer, läuft plattformübergreifend und bietet einen erstaunlich umfangreichen Funktionsumfang.

Besonders als Alternative zu CapCut ist Pikimov interessant: Man bekommt ähnliche Funktionalität für Social Media Content, muss aber seine Videos (und damit seine Daten) nicht einem chinesischen Konzern anvertrauen. Für Content Creator, die datenschutzbewusst arbeiten wollen oder müssen, ist das ein entscheidendes Argument.

Der größte Vorteil ist die niedrige Einstiegshürde: Keine Anmeldung, keine Installation, keine Kosten, keine Cloud-Uploads. Einfach Browser öffnen und loslegen. In einer Zeit, in denen Tools wie CapCut mit angeblicher Kostenlosigkeit locken, dabei aber fragwürdige Datenschutzpraktiken aufweisen und professionelle Software nur noch im teuren Abo-Modell verfügbar ist, bietet Pikimov eine ansehnliche Alternative.

Wer After Effects oder DaVinci Resolve gewohnt ist, wird einige Features vermissen (von der in Hollywood genutzten Profisoftware DaVinci Resolve gibt es übrigens auch eine kostenlose Version, die Lernkurve ist allerdings steil). Wer aber eine leichtgewichtige, datenschutzfreundliche Alternative zu CapCut für Motion Graphics und Videobearbeitung sucht, sollte Pikimov definitiv eine Chance geben. Das Projekt verdient Aufmerksamkeit – und wer es unterstützen möchte, kann das über Patreon tun.

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