Photopea: Professionelle Bildbearbeitung im Browser – kostenlos und ohne Installation

Screenshot Photopea

Wer Photoshop kennt, wird sich in Photopea auf Anhieb zurechtfinden. Gleiche Tastenkürzel, vertraute Werkzeuge, bekannte Panels – nur dass man nicht 60+ Euro im Monat für ein Adobe-Abo zahlt, nichts installieren muss und die Anwendung einfach im Browser läuft. Das klingt zu schön, um wahr zu sein?

Photopea ist ein kostenloser Online-Bildeditor, der direkt im Browser läuft – auf Windows, macOS, Linux, sogar auf dem Smartphone. Es gibt keine App, die man herunterladen müsste, kein Konto, das man anlegen müsste. Einfach die URL aufrufen und loslegen.

Was Photopea kann – und was nicht

Der Funktionsumfang ist für eine Web-Anwendung äußerst beeindruckend. Photopea bietet Ebenen, Masken, Ebeneneffekte, Smart Objects, Einstellungsebenen, Kanäle, Pfade und Pfadoperationen. Dazu Filter wie Gaußscher Weichzeichner, Verflüssigen, Puppet Warp und Kurven sowie Tonwerte – also genau das, was man als Hardcore-User in Photoshop oft nutzt.

Besonders praktisch: Photopea öffnet und speichert PSD-Dateien nativ. Das ist kein nachträglicher Export, sondern vollständige Unterstützung des Formats – inklusive aller Ebenen, Effekte und Masken. Wer also gelegentlich PSDs aus einer Agentur bekommt oder mit Kolleg°Innen zusammenarbeitet, die Photoshop nutzen, kann Dateien problemlos austauschen.

Darüber hinaus versteht Photopea eine beeindruckende Zahl weiterer Formate: PNG, JPG, GIF, BMP, WEBP, SVG, PDF, AI (Adobe Illustrator), AVIF, DDS, HEIC, TIFF, MP4, TGA, CDR, PDN, EPS, INDD, Figma und insgesamt über 40 Formate. Sogar RAW-Dateien gängiger Kamerahersteller lassen sich öffnen – DNG, CR2, CR3 (Canon), NEF (Nikon), ARW (Sony), RW2 (Panasonic), RAF (Fuji), ORF (Olympus) und FFF (Hasselblad). Belichtung, Farbe, Kontrast, Lichter und Schatten lassen sich wie in Photoshop in einem Camera RAW-Entwickler direkt einstellen, der zwar ein paar Funktionen weniger hat, als Adobes Variante, aber die wichtigsten Einstellungen sidn vorhanden

Wer auch Vektorgrafiken erstellt, ist ebenfalls bedient: Photopea unterstützt Vektorwerkzeuge, mit denen man Logos, Icons oder Illustrationen direkt in der Anwendung erstellen und bearbeiten kann, das ist ähnlich wie in Photoshop allerdings rudimentär, für umfangreiche Vektorgrafiken sollte man zu einer spezialisierten Anwendung greifen.

Was im täglichen Gebrauch erheblich störte war, dass Photopea offenbar nicht auf das lokale Clipboard, also die Zwischenablage, zugreifen kann. Das ließ sich aber nach kurzer Recherche schnell lösen, denn das ist eine Einstellung, die man ggfs. im Browser vornehmen muss: dort über die Webseiteneinstellungen die Clipboard-Nutzung erlauben (je nach Browser unterschiedlich, üblicherweise über einen Klick auf das Vorhängeschloss-Symbol neben der Adresszeile des Browsers).

Im Vorschaubild oben sieht man eins meiner gerenderten Bilder, in Photopea bearbeitet.

Vollständig lokal – keine Cloud, keine Uploads

Ein Punkt, der in der Praxis wichtig ist und leider oft unterschätzt wird: Photopea lädt keine Dateien auf fremde Server hoch. Die gesamte Verarbeitung findet lokal im Browser statt, auf der CPU und GPU des eigenen Rechners. Dateien verlassen das Gerät nie – was bei der Arbeit mit Kundenmaterial oder vertraulichen Projekten unabdingliche und ein erheblicher Vorteil ist.

Das unterscheidet Photopea grundlegend von vielen anderen Online-Tools, die Bilder für die Bearbeitung erst einmal auf ihre Server hochladen. Wer sich um Datenschutz oder Vertraulichkeit Gedanken macht, ist mit Photopea auf der sicheren Seite – zumindest was die Bilddaten betrifft.

KI-Funktionen an Bord

Photopea hat in den letzten Jahren auch KI-Funktionen integriert. Hintergrund-Freistellen mit einem Klick funktioniert zuverlässig und ist direkt über das Menü erreichbar. Zudem gibt es eine Generative-Fill-Funktion, die es erlaubt, Bildbereiche per Texteingabe zu ersetzen oder zu erweitern – vergleichbar mit Photoshops eigener KI-Funktion.

Die Qualität ist naturgemäß nicht immer auf dem Level kommerzieller Lösungen, für viele Alltagsanforderungen reicht sie jedoch aus. Bei den KI-Funktionen nervt Photopea dann auch manchmal, man solle sich vor der Nutzung eine Werbung ansehen oder die Premium-Version abonnieren.

Für wen Photopea interessant ist

Für Webdesigner, die gelegentlich PSDs öffnen oder bearbeiten müssen, ohne dafür ein Photoshop-Abo zu benötigen, ist Photopea die naheliegendste Lösung. Wer auf einem Rechner arbeitet, auf dem keine Software installiert ist oder werden darf – zum Beispiel beim Kunden oder auf einem Leihgerät –, kann trotzdem vollwertig arbeiten.

Auch für kleine Unternehmen, Selbstständige und Freelancer, die kein Adobe-Abo abschließen wollen oder können, ist Photopea eine ernsthafte Alternative. Der Funktionsumfang deckt einen Großteil der täglichen Anforderungen ab.

Für Einsteiger und Studenten ist der Einstieg ebenfalls niedrigschwellig: Keine Installation, keine Kosten, kein Konto. Man öffnet den Browser und fängt an.

Das Geschäftsmodell: Werbung und Premium

Photopea ist kostenlos nutzbar – finanziert sich in der kostenlosen Variante über Werbeanzeigen. Wer ohne Werbung arbeiten möchte, kann ein Premium-Abo abschließen, das zusätzlich mehr Cloud-Speicher, größere Exportoptionen und weitere Features bietet. Der Preis ist mit fünf Euro im Monat dabei deutlich günstiger als ein Adobe-Abo.

Das Modell ist transparent und – anders als bei manchen anderen „kostenlosen“ Tools – technisch nicht beschränkt. Die kostenpflichtige Version bietet Komfort und zusätzliche KI-Funktionen, die kostenlose Version ist vollständig nutzbar.

Fazit

Photopea ist keine Spielzeug-Anwendung, sondern ein vollwertiger Bildeditor, der sich für viele professionelle Aufgaben eignet. Die PSD-Kompatibilität, die Unterstützung von RAW-Formaten und die Verarbeitung direkt im Browser ohne Cloud-Upload machen es zu einem ernsthaften Werkzeug.

Es ersetzt Photoshop nicht in jedem Szenario – wer täglich komplexe Retusche-Workflows, Batch-Verarbeitung oder tiefe Integration in andere Adobe-Anwendungen benötigt, wird an seine Grenzen stoßen. Für den überwiegenden Teil der Aufgaben im Web- und Grafikdesign-Alltag ist Photopea jedoch mehr als ausreichend – und das kostenlos, ohne Installation, ohne Konto und ohne dass Dateien das eigene Gerät verlassen.

Wer Photoshop aus Kostengründen meidet oder schlicht flexibel arbeiten will, sollte Photopea definitiv ausprobieren: photopea.com

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