Wer auf Instagram, TikTok oder Twitter aktiv ist, kennt das Problem: Man darf nur einen einzigen Link in der Bio platzieren. LinkStack löst dieses „One-Link-Only-Problem“ auf elegante Weise – und ist dabei noch Open Source.
Die Software erstellt eine Landingpage, auf der man beliebig viele Links übersichtlich präsentieren kann. Das Konzept ist simpel, aber effektiv. Ursprünglich hieß das Projekt „LittleLink Custom“, wurde aber später in LinkStack umbenannt. Im Kern ist es nichts anderes als eine freie Alternative zu kommerziellen Diensten wie Linktree.
Was kann LinkStack?
Die Anpassungsmöglichkeiten sind durchaus beachtlich. Es gibt verschiedene Themes zur Auswahl, wer mag kann auch eigene Designs basteln. Über 100 vordefinierte Button-Designs für die üblichen Social-Media-Plattformen und Webdienste sind dabei. Ein Analytics-Tool zeigt, welche Links wie oft geklickt wurden – praktisch, wenn man wissen will, was die Leute wirklich interessiert.
Interessant wird es bei der Multi-User-Funktionalität: Man kann eine LinkStack-Instanz für mehrere Nutzer betreiben, die dann jeweils ihre eigenen Linksammlungen verwalten. Für Agenturen oder Teams durchaus sinnvoll. Es gibt ein Admin-Panel, über das sich Nutzer und deren Seiten zentral steuern lassen.
Warum selbst hosten?
Die Installation ist unkompliziert – PHP 8.0 oder neuer und ein Apache-Webserver reichen aus. Wer Docker nutzt, kann die Software noch einfacher an den Start bekommen. Die Anforderungen sind somit überschaubar.
Der eigentliche Punkt ist aber ein anderer: Bei einer selbstgehosteten Installation hat man die komplette Kontrolle über alle Daten. Und das ist gerade in Zeiten von DSGVO und der allseits beschworenen digitalen Souveränität alles andere als unwichtig.
Das Linktree-Problem
Linktree ist praktisch, keine Frage. Aber wer den Dienst in Deutschland gewerblich nutzt, sollte sich der rechtlichen Risiken bewusst sein. Der australische Anbieter speichert Daten auf Servern außerhalb der EU und nutzt Tracking-Technologien, die datenschutzrechtlich problematisch sind. Besucherdaten werden erfasst und zu Profilen zusammengeführt, oft ohne dass die Betroffenen ordentlich informiert werden oder zugestimmt haben.
Für Gewerbetreibende ist das ein Abmahnrisiko, das man nicht unterschätzen sollte. Die DSGVO ist hier ziemlich klar – und Abmahnanwälte sind schnell zur Stelle.
Digitale Souveränität statt Abhängigkeit
Mit LinkStack auf dem eigenen Server oder bei einem EU-Hoster ist man auf der sicheren Seite. Keine Cookies ohne Zustimmung, keine Datenübermittlung in Drittländer, volle Kontrolle über den Umgang mit Besucherdaten. Wer Datenschutz ernst nimmt oder seinen Kunden garantieren muss, findet hier eine rechtssichere Lösung.
Es geht aber nicht nur um Datenschutz. Bei kommerziellen Anbietern ist man immer von deren Geschäftspolitik abhängig. Preise können steigen, Features wegfallen, es kann zur sogenannten „Enshittification“ kommen, im schlimmsten Fall wird der Dienst eingestellt. Mit einer selbstgehosteten Lösung bleibt man unabhängig – man ist Herr über die eigene Infrastruktur.
Alternativen zum Self-Hosting
Wer sich das technische Setup nicht zutraut oder einfach keine Lust darauf hat, kann auf kostenlose Community-Instanzen zurückgreifen. Die werden von anderen Nutzern bereitgestellt und funktionieren ähnlich wie Linktree – nur eben auf Open-Source-Basis und freiwillig quasi ehrenamtlich bereit gestellt.
Das LinkStack-Team bietet außerdem gehostete Premium-Instanzen an, je nach gewünschtem Funktionsumfang zwischen 1 und 30 Euro monatlich. Damit hat man den Komfort einer fertigen Lösung, ohne komplett auf einen großen kommerziellen Anbieter angewiesen zu sein.
Die Software selbst wird aktiv weiterentwickelt, der Code liegt auf GitHub. Lizenziert ist das Ganze unter der GNU Affero General Public License v3.0 – das bedeutet, wer den Code modifiziert und einsetzt, muss diese Änderungen ebenfalls veröffentlichen.
Installation und Dokumentation
Auf GitHub findet man das offizielle Repository mit allen nötigen Dateien. Die Installation funktioniert auf mehreren Wegen: klassischer Upload auf den Webserver, via Docker oder mit Installer-Skripten. Die Dokumentation ist ordentlich und geht auch auf typische Stolpersteine ein. Anleitungen gibt es für Linux, macOS und Windows. Tatsächlich ist die einfachste Variante aber auch bei Shared Hosting Anbietern lauffähig, und das dank SQLite auch ohne Datenbank, was insbesondere für Einzelnutzer°Innen-Instanzen sehr interessant ist: Archif als zip herunter laden, auf Webspace hochladen, kurz konfigurieren – läuft. Das bekommen auch technisch weniger versierte Nutzerinnen hin.
Persönliche Erfahrungen
Ich habs ausprobiert und es war mit einer Ausnahme sehr einfach, zu der kommen wir gleich. Das archiv aus dem Github-Repository herunter laden, am gewünschten Ort entpacken (oder das Archiv hochladen und mit Tools des Hosters direkt lokal entpacken, falls der das anbietet) und die Webadresse aufrufen. Kurz den Admin-Zugang konfigurieren, SQLite oder mySQL auswählen. Fertig. Halt. Nicht fertig. Die neue Version 4.8.5 ist fehlerhaft und man kann keine Links anlegen, es kommt dann zu einem Fehler. Die letzte Version 4.8.4 funktioniert einwandfrei, also besser erstmal die nutzen und hin und wieder auf Github schauen, ob es ein Bugfix gibt.
https://links.xanathon.com/@xanathon
Fazit
LinkStack macht, was es soll, und zwar ziemlich gut. Wer bereits Webhosting hat oder technisch nicht auf den Kopf gefallen ist, sollte sich die Software ansehen – gerade wenn DSGVO-Konformität wichtig ist. Die Community-Instanzen sind eine Option für den schnellen Einstieg, aber wirkliche Kontrolle über die eigenen Daten hat man nur beim Self-Hosting.
Im Vergleich zu Linktree bietet LinkStack funktional das Gleiche (ist sogar umfangreicher), dazu aber die Gewissheit, dass weder die eigenen Daten noch die der Besucher für fremde Geschäftsmodelle ausgeschlachtet werden. In Zeiten, in denen man von den üblichen Datenkraken weg möchte, wäre es inkonsequent, ausgerechnet bei so einem Tool auf die kommerzielle Variante zu setzen. Vor allem, wenn die Alternative so einfach und ansehnlich ist.


